Ist Gold sexy? Warum ein altmodisches Metall zum modernen Multitalent wird

Beitrag des Vorstandsvorsitzenden der Reisebank AG.

Gold glänzt in Schaufenstern, verschwindet in Bankschließfächern und taucht in Krisenzeiten zuverlässig als Hauptdarsteller in den Wirtschaftsressorts auf. Wer in die jüngste Metastudie der Reisebank und CFIN zu „Gold im Portfoliokontext“ blickt, stellt schnell fest: Die Frage ist nicht mehr, ob Gold „altmodisch“ ist, sondern ob wir seine Rolle im modernen Vermögensaufbau nicht unterschätzt haben – rational wie emotional.

In Deutschland besitzen rund 40 Prozent der Bevölkerung physisches Gold – Münzen, Barren, Schmuck. Und doch macht Gold im Durchschnitt nur etwa drei Prozent des Gesamtvermögens aus. Das ist bemerkenswert wenig, wenn man bedenkt, wie viele wissenschaftlich belegte Stärken dieses Edelmetall vereint: Diversifikation, Inflationsschutz, steuerliche Vorteile und eine psychologische Wirkung, die in keiner klassischen Portfolio-Theorie vorkommt, aber in der Praxis wirksam ist.
Gleichzeitig ist das Image fragil. Wenn Gold sexy sein soll, dann nicht als Nostalgieobjekt oder Relikt aus Goldstandardzeiten, sondern als seriöse, verständliche und transparente Anlageklasse. Genau hier setzt die Studie an – und sie zeigt: Gold ist weit attraktiver, als die durchschnittliche deutsche Vermögensaufteilung vermuten lässt.

Gold im Portfolio: Unterschätzter Teamplayer statt Solo-Star

In der Finanzwelt ist „sexy“ meist ein Synonym für hohe Rendite in kurzer Zeit. Genau das ist Gold nicht und das ist seine große Stärke. Gold bleibt dann ruhig, wenn alle anderen nervös werden. Die Metastudie bestätigt, was zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten seit Jahren zeigen: Gold ist als Beimischung im Portfolio ein wirksames Instrument zur Verbesserung des Rendite-Risiko-Profils.
Der vielleicht wichtigste Befund: Gold korreliert nur sehr schwach mit den gängigen Anlageklassen. Für Anleger*innen bedeutet das: Wenn Aktienmärkte schwanken, folgt Gold nicht brav, sondern entwickelt sich oft eigenständig. Genau diese Eigenwilligkeit macht das Metall zum idealen Diversifikationsbaustein.

Auf Basis eines über 20 Jahre reichenden Datensatzes (2004–2024) wird in der Studie ein effizient diversifiziertes Portfolio für deutsche Privatanleger*innen berechnet. Ergebnis: Im optimalen Portfolio einer leicht defensiven Anlage liegt der Goldanteil bei rund 6,7 Prozent, im Marktportfolio bei gut 10,2 Prozent. In Abhängigkeit von Risikoneigung, Anlagehorizont und Anlagespektrum ergibt sich eine Bandbreite von etwa 5 bis 16 Prozent als sinnvoller Goldanteil im Depot. Verglichen mit den realen drei Prozent im Durchschnittsvermögen zeigt sich: Der typische Deutsche hält zu wenig Gold – zumindest aus Sicht der Portfoliotheorie.

Steuerlich attraktiv – und kaum jemand weiß es

Noch spannender wird es, wenn man auf die steuerliche Dimension blickt. In einer Zeit, in der jeder Prozentpunkt Nettorendite hart erarbeitet werden muss, ist Steueroptimierung kein Nebenthema, sondern zentraler Bestandteil einer klugen Anlagestrategie. Gerade hier bietet physisches Gold in Deutschland Vorteile, die vielen Anleger*innen erstaunlicherweise nicht bekannt sind. 

Erstens: Gewinne aus physischem Gold (Münzen, Barren) unterliegen nicht der Abgeltungsteuer. Es handelt sich um private Veräußerungsgeschäfte. Wer sein Gold mindestens ein Jahr hält, kann Kursgewinne steuerfrei realisieren. Zusätzlich gibt es eine Freigrenze von 1.000 Euro pro Jahr für private Veräußerungsgeschäfte. Während Zinsen, Dividenden und Kursgewinne aus Fonds und Aktien mit 25 Prozent pauschal besteuert werden, hat physisches Gold damit einen strukturellen Vorteil. 
Zweitens: Gold ist als Anlagegut von der Mehrwertsteuer befreit. Wer physische Goldmünzen oder -barren mit entsprechendem Feingehalt erwirbt, zahlt keine 19 Prozent Mehrwertsteuer auf den Kaufpreis. Damit sind zwei starke Argumente auf dem Tisch, die im Alltag der Finanzberatung trotzdem selten prominent auftauchen. Mit anderen Worten: Gold ist steuerlich attraktiv – aber die wenigsten wissen es.

Schutz in stürmischen Zeiten: Gold zwischen Inflation, Krise und Emotionen

Das Bild vom „sicheren Hafen“ ist älter als die moderne Finanzmarktforschung – und nicht nur Romantik. Die Metastudie zeigt: Über längere Zeiträume kann Gold einen spürbaren Beitrag zum Kaufkrafterhalt leisten. Wer sich gegen schleichende Geldentwertung wappnen will, ist mit einem Goldanteil im Portfolio nicht schlecht beraten. Jüngst, in der Folge von Ukraine-Krieg und Energiekrise, stieg die Inflation in Deutschland kräftig – der Goldpreis legte im selben Zeitraum ähnlich zu und half, reale Verluste zu dämpfen. Als Krisenwährung spielt Gold seine Stärken vor allem in akuten Stressphasen an den Märkten aus. Studien zu Dotcom-Blase, Finanzkrise 2008/09 und Corona-Pandemie zeigen: In heftigen Verwerfungen flüchten Anleger in Gold, der Preis steigt, während Aktienindizes teils zweistellig fallen. Gold ist keine Garantie gegen Verluste, aber ein bewährter Stabilisator in turbulenten Zeiten.

Gleichzeitig erklärt die Psychologie einen großen Teil der Faszination. Gold ist haptisch, sichtbar, symbolisch aufgeladen – anders als rein digitale oder abstrakte Anlagen. Es bedient Grundbedürfnisse nach Sicherheit, Besitz und Status. Eine Goldmünze in der Hand vermittelt Kontrolle in einer als komplex empfundenen Welt. Entsprechend sehen die meisten Befragten Gold nicht als spekulativen Hype, sondern als seriöses „Safe Haven Asset“.

Gold ist sexy - wenn wir lernen, richtig hinzusehen

Ist Gold sexy? Wer nur auf kurzfristige Kursfeuerwerke schaut, wird zögern. Wer jedoch auf Risikostreuung, reale Wertstabilität, steuerliche Effizienz und psychologische Wirkung achtet, kommt kaum an einem klaren Urteil vorbei: Gold ist eines der interessantesten, aber in deutschen Privatportfolios untergewichteten Assets unserer Zeit. Vielleicht liegt die eigentliche Attraktivität von Gold darin, dass es zwei Welten verbindet: die nüchterne Mathematik der Portfoliotheorie und das zutiefst menschliche Bedürfnis nach Sicherheit, Symbolik und etwas, das man im Zweifel wortwörtlich in der Hand halten kann. In einer Zeit, in der vieles virtuell, volatil und schwer greifbar geworden ist, ist das gar keine so schlechte Definition von „sexy“.

Hinweis: Dieser Text ist erstmals in der Januar-Ausgabe des Investment Guides erschienen.

Autor

Torsten Krieger

CEO & Vorstandsvorsitzender der Reisebank AG

14. Januar 2026

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