Goldinvestment für Einsteiger: Der Guide für Ihre Anlage in Edelmetalle

Die Märkte schwanken und Gold wird als stabiler Gegenpol immer interessanter. Viele Einsteiger stellen sich jetzt wichtige Fragen rund um das Investment in Edelmetalle: Welche Münze? Oder doch lieber ein Barren? Wann sollte ich einsteigen und welche Stückelung ist sinnvoll? Und was hat es eigentlich mit Spot, Aufschlag und Spread auf sich?

Aktuell wollen viele Gold kaufen, wissen aber nicht, wie sie anfangen sollen. Manche Onlineshops preisen „Krisenpakete" an, Foren streiten über Jahrgänge, und jede zweite Münze wird als „absolutes Muss" verkauft. Wer einfach nur solide investieren möchte, verliert schnell die Orientierung. Dabei ist der Einstieg weniger kompliziert, als es scheint. Dieser Artikel führt Sie Schritt für Schritt durch den ersten Goldkauf, inklusive Expertwissen von unserem Produktmanager Markus Wirth. Hier erfahren Sie, welche Produkte sinnvoll sind, wie Sie Preise richtig vergleichen und woran Sie seriöse Händler erkennen. Am Ende haben Sie einen Leitfaden, mit dem Sie heute kaufen können – ohne Fehlentscheidungen, ohne draufzuzahlen. Gold kaufen ist kein Hexenwerk. Sie müssen nur wissen, worauf es ankommt.

Die wichtigsten Begriffe vorab

Bevor Sie Gold kaufen, sollten Sie drei Begriffe kennen. Sie entscheiden darüber, ob ein Angebot fair ist.

Spotpreis nennt sich der aktuelle Börsenkurs für eine Feinunze Gold, also 31,1 Gramm. Er schwankt sekündlich und gilt weltweit als Referenz. Kein Händler verkauft normalerweise physisches Gold zu diesem Preis, weil Herstellung, Lagerung und Vertrieb Kosten verursachen. Der Spotpreis ist die Grundlage, auf der alles andere aufbaut.

Das Aufgeld (auch Premium genannt) ist die Differenz zwischen diesem Spotpreis und dem, was Sie beim Händler tatsächlich zahlen. Ein Aufgeld von 5 Prozent bedeutet: Sie zahlen 5 Prozent mehr als den reinen Goldwert. Es deckt Herstellungskosten, Zertifizierung und die Händlermarge ab. Markus Wirth, Produktmanager Edelmetalle bei der Reisebank, erklärt es so: „Je kleiner die Stückelung, desto höher das Aufgeld. Das liegt daran, dass die Prägekosten bei einer kleinen Münze pro Gramm viel stärker durchschlagen als bei einem großen Barren."

Der Spread schließlich ist der Unterschied zwischen Verkaufs- und Ankaufspreis beim selben Händler. Konkret: Eine Unze kostet im Verkauf vielleicht 2.000 Euro, beim Rückkauf zahlt der Händler aber nur 1.950 Euro. Diese 50 Euro sind der Spread – Ihre versteckten Kosten, wenn Sie das Gold später wieder verkaufen wollen.

Was soll ich kaufen? 

Die Frage ist nicht, welches Produkt „das beste" ist, sondern welches zu Ihrem Budget und Ihren Zielen passt. Diese Faktoren sollten Sie beachten:

Barren oder Münzen

Die Frage ob rund oder eckig lässt sich nicht so einfach beantworten. In erster Linie sollte das Ziel bekannt sein und davon abgeleitet eine Entscheidung getroffen werden:

  • Möglichst geringe Aufgelder: Hier empfiehlt es sich den Grammpreis pro relevantes Edelmetall auszurechnen, indem man den Preis mit dem Feingewicht dividiert. Für gewöhnlich sind Produkte mit hohem Gewicht preiswerter als Produkte mit niedrigem Gewicht. Es gibt aber immer wieder Marktfenster, in welchen gewisse Anlagemünzen oder auch Vintage-Münzen besonders preiswert sind. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Endkunden an den Händler viele dieser Produkte verkauft haben.
  • Liquidität: Wenn man ein ganzes Kilo Gold gekauft hat, kann man später im Bedarfsfall auch nur diese Kilo Gold verkaufen. Hat man aber kleinteiliger eingekauft, kann man im Bedarfsfall auch kleinteiliger verkaufen.
  • Individueller Geschmack: Gold ist ein haptisches Produkt zum Anfassen. Oft spielen emotionale Motive (z.B. sehr ansprechendes Motiv) bei der Kaufentscheidung eine Rolle. Dies rechtfertigen manchmal auch ein gewisses Aufgeld

Kostenfokus: Barren als Hauptposition, kleinere Gewichtsklassen als Reserve

Manche Einsteiger wollen von Anfang an so nah wie möglich am Spotpreis kaufen. Gleichzeitig möchten sie ihr komplettes Investment nicht in eine einzige, nicht teilbare Einheit packen. Für diesen Spagat braucht es eine klare Gewichtung: Ein größerer Barren bildet die Hauptposition, kleinere Gewichtsklassen ergänzt als Reserve für spätere Teilverkäufe.

Je schwerer der Barren, desto niedriger fällt das Aufgeld pro Gramm in der Regel aus. Die Herstellungskosten verteilen sich einfach besser auf mehr Gewicht. Ein Kilobarren liegt extrem nah am Spotpreis. Das Problem dabei: „Den können Sie später nur als Ganzes verkaufen", warnt Wirth. „Wenn Sie irgendwann mal 20 Prozent Ihres Investments brauchen, stehen Sie vor einem Problem. Sie können ja nicht einfach ein Stück absägen."

Produkte mit niedrigerem Gewicht lösen genau dieses Liquiditätsproblem. Sie fungieren als flexibler Baustein, der einen Teilverkauf überhaupt erst praktikabel macht, ohne dass die Kosteneffizienz des Kilo-Barrens verloren geht. Eine Faustregel lautet: Je größer die Einheit, desto günstiger der Einstieg – aber desto starrer der Ausstieg. 

Klein anfangen: Zehntel-Unze oder kleiner Barren

Wer mit einem kleineren Budget startet, muss nicht warten. Ein Blick auf die Kostenstruktur lohnt sich allerdings, denn bei kleinen Beträgen steigen die prozentualen Aufgelder oft deutlich. Sie haben hier zwei Wege: entweder eine kleinere Münz-Stückelung wie eine Zehntel- oder Zwanzigstel-Unze, oder einen kleineren Barren, dessen Größe sich am verfügbaren Budget orientiert.

Kleine Formate kosten überproportional viel. Bei Münzen schlagen die Prägekosten stärker durch, bei kleinen Barren die Herstellungskosten. Das bedeutet konkret: Sie zahlen deutlich mehr über dem reinen Goldwert als bei Standard-Größen. „Bei Produkten unter 5 Gramm können die Aufgelder schnell zweistellig werden", erklärt Wirth. „Solche Formate eignen sich eher als werthaltige Geschenke – für ein renditeorientiertes Investment sind sie eher zu teuer."

Das macht kleine Einheiten nicht grundsätzlich falsch. Wer bewusst in kleinen Schritten investieren möchte, akzeptiert höhere Kosten als Preis für die Zugänglichkeit. Entscheidend ist nur, dass Sie wissen, wofür Sie zahlen.

Sie wollen Kosten und Spotnähe priorisieren

Bekannte Anlagemünzen wie Krügerrand oder Maple Leaf haben relativ moderate Aufgelder, zumindest im Vergleich zu Sondermünzen. Trotzdem liegen sie preislich meist über vergleichbaren Barren derselben Gewichtsklasse. Bei Barren gilt die Faustregel: Je schwerer, desto näher am Spotpreis. Die Herstellungskosten fallen bei größeren Einheiten weniger ins Gewicht. „Aber Achtung", warnt Wirth, „bei sehr kleinen Barren unter 10 Gramm steigen die Aufgelder wieder. Der Kostenvorteil schmilzt dann zusammen." Typischer Fehler: Kleine Barren kaufen und dabei denken, „Barren ist immer günstiger". Das stimmt nur ab einer gewissen Größe. Wenn Spotnähe Ihr Hauptkriterium ist, sollten Sie ab 50 oder 100 Gramm aufwärts zugreifen. Darunter können Standard-Münzen sogar günstiger sein.

Sie wollen heute einfach starten, ohne viel Vorwissen

Anlagemünzen sind standardisiert, weltweit bekannt und leicht handelbar. Jeder seriöse Händler kennt Krügerrand, Maple Leaf oder Wiener Philharmoniker. Der Nachteil: Es gibt viele verschiedene Münzen, und Einsteiger verlieren schnell den Überblick. Was ist wirklich Anlagemünze, was Sammlerstück?

Was ist Anlagemünze, was Sammlerstück?

Der entscheidende Unterschied liegt im Preis: Anlagemünzen werden nach Goldgewicht gehandelt, plus einem moderaten Aufgeld für Prägung und Vertrieb. Sammlermünzen dagegen kosten oft deutlich mehr, weil Sammler für Seltenheit, Jahrgang oder besondere Motive zahlen. „Wer Gold als Wertanlage kauft, sollte strikt bei Bullionmünzen bleiben", rät Wirth. „Sammlerwert ist etwas für Numismatiker, nicht für Anleger."

In der Praxis erkennen Sie Anlagemünzen daran, dass sie in großen Stückzahlen geprägt werden und der Preis eng am Goldpreis liegt. Maple Leaf, Krügerrand, Wiener Philharmoniker, Britannia oder Känguru – alle diese Münzen gibt es jedes Jahr neu, in hoher Auflage. Das Aufgeld bewegt sich typischerweise zwischen 3 und 8 Prozent über dem reinen Materialwert.

Sammlermünzen hingegen tragen oft Aufschläge von 20, 50 oder mehr Prozent. Sie werden in limitierter Auflage herausgegeben, manchmal mit Etui und Zertifikat. Das Problem: Diesen Sammlerwert realisieren Sie beim Verkauf nur, wenn Sie einen Sammler finden. Bei einem normalen Goldhändler bekommen Sie meist nur den reinen Goldwert ausgezahlt. Der Aufpreis verpufft.

Barren sind simpler: Gewicht, Feinheit, Hersteller. Fertig. Keine Jahrgänge, keine Motivvielfalt. Für manche wirken sie allerdings unpersönlicher, weniger greifbar als Münzen. Der typische Fehler hier: Sondermünzen mit Aufpreis kaufen, weil sie schön aussehen, ohne zu verstehen, dass das Motiv wenig Investment-Mehrwert bringt. „Beim Verkauf zählt nur der Goldwert", stellt Wirth klar. „Ob da jetzt ein Känguru drauf ist oder eine Britannia – dem Händler ist das egal."

Exkurs: So schützen Sie sich vor Fälschungen

Bekannte Anlagemünzen haben oft Sicherheitsmerkmale. Der Maple Leaf zum Beispiel trägt Radial-Lines, die Fälschungen erschweren. Händler prüfen solche Münzen routiniert. Seriöse Barren-Hersteller liefern immer Seriennummern und manchmal Zertifikate mit, z. B. beim Kinebarren. Etablierte Scheideanstalten genießen hohes Vertrauen in der Branche.

Trotzdem: Auch Münzen und Barren werden gefälscht, vor allem bei No-Name-Herstellern oder Angeboten, die zu gut sind, um wahr zu sein. Deshalb prüft die Reisebank jedes einzelne Stück akribisch und garantiert den Goldkauf mit der Sicherheit einer Bank. 

Typischer Fehler: Bei Ebay, Kleinanzeigen oder unbekannten Online-Shops kaufen, weil „da ist es billiger". Später bleibt die Unsicherheit, ob das Gold überhaupt echt ist.

Besser: „Kaufen Sie nur bei etablierten Händlern", rät Wirth nachdrücklich. „Die paar Euro Aufgeld, die Sie da vielleicht mehr zahlen, sind günstiger als der Albtraum, später festzustellen, dass Sie auf eine Fälschung hereingefallen sind."

Welche Stückelung passt zu mir?

Die Frage nach der richtigen Größe ist praktischer, als viele denken. Es geht nicht darum, welche Stückelung die beste ist, sondern welche zu Ihrem Budget und Ihren späteren Verkaufsplänen passt.

Vier Kategorien zeigen, wo welche Größe Sinn macht und wo Sie in Kostenfallen tappen.

Sehr kleine Stückelungen: Zwanzigstel-Unzen und darunter

Diese Formate passen, wenn Sie ein symbolisches Geschenk suchen oder mit sehr wenig Geld starten wollen. Der Einstieg ist niedrigschwellig – Sie brauchen nur einen kleinen Betrag, um physisches Gold in der Hand zu halten.
Bei sehr kleinen Formaten können die Aufgelder jedoch bei 20, 30 oder sogar 40 Prozent über dem reinen Goldwert liegen.

Typischer Fehler: Einsteiger kaufen Zwanzigstel-Unzen als Investment, weil sie denken, klein heißt günstig. Das Gegenteil ist der Fall. Sie zahlen prozentual am meisten.

Besser: Sparen Sie lieber etwas länger und steigen dann mit einer Standard-Stückelung ein. Ab Zehntel-Unze- oder 10-Gramm-Formaten wird die Kostenstruktur deutlich vernünftiger.

Kleine Stückelungen: Viertel-Unzen oder 10-Gramm-Formate

Diese Größe gilt als typische Einsteiger-Stückelung und passt, wenn Sie mit einem kleineren Budget starten, aber trotzdem ein sinnvolles Kosten-Nutzen-Verhältnis wollen. Der Einstieg bleibt überschaubar, die Aufgelder sind spürbar niedriger als bei Miniatur-Formaten. Sie bekommen echtes Investment-Gold, ohne gleich vierstellig einsteigen zu müssen.

Im Vergleich zu größeren Einheiten zahlen Sie allerdings immer noch ein höheres Aufgeld pro Gramm. Die Empfehlung lautet deshalb: Wenn Ihr Budget begrenzt ist oder Sie bewusst in kleinen Schritten aufbauen wollen, sind Zehntel-Unzen oder vergleichbare Formate eine solide Wahl. Sobald Sie größere Beträge investieren können, sollten Sie auf schwerere Einheiten umsteigen.

Typischer Fehler: Einsteiger kaufen über Jahre hinweg nur Viertel-Unzen, obwohl sie längst genug Budget für größere Formate hätten. Sie zahlen so dauerhaft zu viel Aufgeld.

Besser: Kombinieren Sie. Starten Sie mit kleineren Formaten, steigen Sie später auf größere um. Oder kaufen Sie gleich eine Mischung aus verschiedenen Größen.

Mix-Strategie: Verschiedene Größen verteilen

Diese Strategie passt, wenn Sie später möglicherweise nur Teile Ihres Goldes verkaufen wollen. Wer flexibel bleiben möchte, braucht mehrere Einheiten – nicht eine große. Sie können bei Bedarf einzelne Stücke verkaufen, ohne Ihr gesamtes Investment aufzulösen. Ein Mix aus größeren und kleineren Einheiten gibt Ihnen Handlungsspielraum.

Der Nachteil: Sie zahlen bei den kleineren Einheiten höhere Aufgelder. Die Kosteneffizienz sinkt im Vergleich zu einer einzigen großen Stückelung. Wenn Sie absehen können, dass Sie später Teilbeträge liquidieren möchten – etwa für eine Anzahlung, eine Reparatur oder eine andere größere Ausgabe – sollten Sie Ihr Gold auf mehrere Einheiten verteilen. Eine Möglichkeit: ein größerer Barren als Kernposition, dazu mehrere kleinere Münzen als flexible Reserve.

„Einsteiger denken oft zu kurzfristig", beobachtet Wirth. „Sie kaufen nur nach Spotnähe, ohne den späteren Verkauf mitzudenken. Später merken sie dann: Ein einzelner 500-Gramm-Barren lässt sich nicht zur Hälfte verkaufen."

Besser: Überlegen Sie vor dem Kauf, wofür Sie das Gold später brauchen könnten. Falls unklar, lieber etwas Aufgeld akzeptieren und auf mehrere Einheiten setzen.

Sehr große Stückelungen

Diese Strategie passt nur, wenn Sie langfristig investieren und absolut sicher sind, dass Sie das Gold nie teilweise verkaufen müssen. Oder wenn Sie bewusst maximale Spotnähe suchen und dafür wenig Flexibilität akzeptieren. Die Aufgelder sind minimal. Ein Kilobarren liegt extrem nah am Spotpreis, weil die Herstellungskosten kaum noch ins Gewicht fallen. Aber Sie können später nicht teilweise verkaufen. Wer einen Kilobarren besitzt und 200 Gramm braucht, hat nur zwei Optionen: alles verkaufen oder nichts. Das ist ein massives Liquiditätsproblem.

Typischer Fehler: Einsteiger sehen nur den Preis. Sie kaufen einen Kilobarren, weil der verleichsweise am günstigsten ist, und merken erst Jahre später, dass sie sich selbst eingesperrt haben. Jeder Notfall zwingt sie dann, das gesamte Investment aufzulösen.

Bessere Alternative auch hier: Teilen Sie größere Summen auf mehrere Einheiten auf. Zwei 500-Gramm-Barren sind flexibler als ein Kilo, ohne dass die Kosten explodieren. Oder kombinieren Sie einen größeren Barren eben mit kleineren Münzen als Notfall-Reserve.

Was zahle ich wirklich? Preise richtig vergleichen

Viele Einsteiger schauen nur auf den absoluten Preis und denken: „Händler A ist 10 Euro billiger, also kaufe ich dort." Das greift zu kurz. Unterschiedliche Produkte, Stückelungen und Händlermodelle haben völlig verschiedene Aufgeld-Strukturen. Der scheinbar günstigste Preis kann trotzdem die schlechteste Wahl sein. „Rechnen Sie es sich aus", empfiehlt Wirth. „Vergleichen Sie nicht nur den Endpreis, sondern setzen Sie ihn ins Verhältnis zum aktuellen Spotpreis. Erst dann sehen Sie, wer wirklich fair kalkuliert."

So gehen Sie systematisch vor

Schritt 1: Aktuellen Spotpreis ermitteln 
Suchen Sie den aktuellen Goldpreis. Dieser ändert sich ständig, deshalb brauchen Sie den Kurs von heute, am besten von jetzt. Viele Händler zeigen ihn auf ihrer Website, alternativ finden Sie ihn auf Finanzportalen. Achten Sie darauf, ob der Preis pro Unze oder pro Gramm angegeben wird.

Schritt 2: Endpreis des Produkts notieren 
Schauen Sie, was der Händler für das konkrete Produkt verlangt. Nicht ungefähr, sondern exakt. Wenn Sie eine Unze Krügerrand kaufen wollen, notieren Sie sich den Preis für genau diese Münze – nicht für einen Maple Leaf, nicht für einen Barren.

Schritt 3: Aufgeld berechnen 
Ziehen Sie den Spotpreis vom Endpreis ab. Das Ergebnis ist das absolute Aufgeld in Euro. Rechnen Sie es dann prozentual um: Aufgeld geteilt durch Spotpreis, mal 100. So sehen Sie, wie viel Prozent Sie über dem reinen Goldwert zahlen.

Beispiel: Liegt der Spotpreis bei 1.800 Euro pro Unze und Sie zahlen 1.890 Euro, beträgt das Aufgeld 90 Euro – also 5 Prozent. Liegt ein anderes Angebot bei 1.850 Euro, sind es nur 2,8 Prozent. Jetzt können Sie wirklich vergleichen.

Warum gibt es überhaupt Unterschiede zwischen Händlern?

Nicht jeder, der billig ist, arbeitet unseriös – und nicht jeder teurere Händler ist automatisch besser. Der Endpreis hängt von mehreren Faktoren ab. Seriöse Händler prüfen jedes zurückgekaufte Stück auf Echtheit. Das kostet Zeit und Geld. Wer große Bestände vorhält, zahlt für Lagerung und Versicherung. Diese Kosten fließen in den Preis ein.

Manche Händler arbeiten mit dünnen Margen und hohem Volumen, andere mit höheren Aufgeldern und persönlicher Beratung. Wenn eine bestimmte Münze gerade knapp ist, steigt das Aufgeld. Das hat nichts mit dem Goldwert zu tun, sondern mit Angebot und Nachfrage.

„Ein scheinbar günstiges Angebot kann auf eingeschränkter Prüfung, schlechterem Service oder gerade verfügbarem Überbestand beruhen", erklärt Wirth. „Ein etwas teureres Angebot kann dafür solidere Prozesse und bessere Rückkaufkonditionen bieten."

Faustregel: Vergleichen Sie immer mindestens drei Händler und rechnen Sie jedes Mal das Aufgeld aus. Erst dann wissen Sie, wer wirklich fair kalkuliert.

Wo kaufe ich sicher?

Die Qualität des Händlers entscheidet darüber, ob Sie echtes Gold bekommen oder auf eine Fälschung hereinfallen. Wer bei dubiosen Anbietern spart, riskiert sein gesamtes Investment.

Woran erkenne ich einen seriösen Händler?

Nicht jeder, der Gold verkauft, arbeitet professionell. Die wichtigsten Merkmale: Der Händler ist seit Jahren am Markt, hat ein vollständiges Impressum mit echter Geschäftsadresse und zeigt transparente Preise. Er bietet klare Rückkaufkonditionen und prüft zurückgekaufte Stücke professionell auf Echtheit.

„Professionelle Prüfverfahren beim Ankauf sind ein Muss", betont Wirth. „Seriöse Händler prüfen jedes zurückgekaufte Stück auf Echtheit. Das kostet Zeit und Geld, schützt aber beide Seiten. Wenn ein Händler ohne Prüfung alles annimmt, ist das verdächtig."

Achten Sie außerdem auf etablierte Hersteller im Sortiment, sichere Zahlungsmethoden, versicherten Versand und erreichbaren Kundenservice. Eine ausführliche Checkliste finden Sie in unserem Ratgeber „Seriöse Goldhändler erkennen".

Was sind Red Flags?

Manche Händler arbeiten mit Tricks, die Einsteiger unter Druck setzen oder in die Irre führen. Die folgenden Warnsignale zeigen, dass Sie es mit einem unseriösen Anbieter zu tun haben: 

Krisen-Rhetorik und Panikmarketing: Sätze wie „Sichern Sie sich jetzt Ihr Krisenpaket!" oder „Bevor der Crash kommt, schnell zuschlagen!" sind Alarmsignale.  „Seriöse Händler verkaufen Gold, nicht Angst", stellt Wirth klar. „Wer mit Weltuntergangsstimmung arbeitet, will Sie emotional zu oft überteuerten Käufen drängen."

Künstlicher Zeitdruck: Countdown-Timer, „limitierte Angebote" oder Sätze wie „Nur noch 3 Stück verfügbar!" sind Manipulation. Gold ist kein Schnäppchen, das morgen weg ist. Seriöse Anbieter lassen Ihnen Zeit zum Vergleichen.

Unrealistisch niedrige Preise: Wenn ein Angebot deutlich unter dem liegt, was etablierte Händler verlangen, stimmt etwas nicht. Entweder sind es Fälschungen, oder der Händler arbeitet mit versteckten Gebühren. Gold hat einen Marktwert – wer massiv darunter liegt, ist verdächtig.

Intransparente Kostenstrukturen: Sie sehen keinen klaren Endpreis, sondern nur „ab …"-Angaben oder „Preis auf Anfrage". Oder es kommen beim Checkout plötzlich Gebühren dazu, die vorher nicht genannt wurden. Seriöse Händler verstecken nichts.

Verkauf ohne Impressum oder aus dem Ausland ohne EU-Regulierung: Händler mit Sitz auf dubiosen Inseln, ohne Impressum oder mit nur einer E-Mail-Adresse als Kontakt sind hochriskant. Wenn etwas schiefgeht, haben Sie keine Handhabe. Kaufen Sie nur bei Händlern, die dem deutschen oder EU-Recht unterliegen.

Häufige Fragen beim ersten Goldkauf (FAQs)

Ist der Jahrgang bei Anlagemünzen für Anleger entscheidend?

Nein. Für Investment-Zwecke spielt der Jahrgang keine Rolle. Wer online kauft, bekommt in der Regel die Münze, die gerade verfügbar ist. Händler arbeiten oft mit wechselnden Jahrgängen – das ist völlig normal und kein Problem. Der Goldwert bleibt derselbe, egal ob die Münze von 2018 oder 2024 stammt.
Sammlerwert ist etwas anderes. Manche Jahrgänge erzielen bei Sammlern höhere Preise, aber das ist für Anleger irrelevant. „Wer Gold als Wertanlage kauft, konzentriert sich auf Gewicht und Reinheit, nicht auf das Prägejahr", erklärt Wirth.

Ausnahme: Wenn Sie einen bestimmten Jahrgang als Geschenk oder aus persönlichen Gründen wollen, können Sie das beim Händler anfragen. Das kostet aber oft Aufpreis oder ist bei der Reisebank nur in der Filiale möglich. Faustregel: Jahrgang ignorieren, Hauptsache die Münze ist eine anerkannte Anlagemünze.

Warum ist „Krügerrand-only" als Denkregel zu kurz?

Weil die Preise schwanken – und manchmal sind andere Münzen günstiger. Der Krügerrand gilt als Klassiker, und viele Einsteiger denken: „Dann kaufe ich eben immer den." Das Problem: Die Aufgelder unterscheiden sich je nach Verfügbarkeit und Nachfrage. Heute kann der Krügerrand das beste Angebot sein, nächste Woche liegt der Maple Leaf preislich besser.

„Wenn Sie sich auf eine einzige Münze festlegen, verschenken Sie möglicherweise Geld", warnt Wirth. „Händler haben unterschiedliche Lagerbestände, und manche Münzen sind zeitweise knapper als andere. Das treibt die Preise."

Besser: Vergleichen Sie die gängigen Anlagemünzen – Krügerrand, Maple Leaf, Wiener Philharmoniker, eventuell Britannia. Kaufen Sie die, die gerade das beste Aufgeld hat. Alle sind weltweit anerkannt, alle lassen sich problemlos verkaufen. Der Krügerrand ist eine gute Wahl, aber keine Pflicht.

Sind sehr kleine Stückelungen sinnvoll oder Aufgeld-Falle?

Aufgeld-Falle, wenn Sie investieren wollen. Sinnvoll, wenn Sie schenken oder symbolisch starten möchten. Zwanzigstel-Unzen oder Minibarren unter 5 Gramm haben Aufgelder, die schnell 20 bis 40 Prozent erreichen können. Die Herstellungskosten pro Gramm explodieren, weil Prägung, Verpackung und Zertifizierung kaum sinken, das Gewicht aber minimal ist.

Für ein renditeorientiertes Investment sind solche Formate zu teuer. Sie zahlen massiv über dem Goldwert und brauchen Jahre, bis der Goldpreis diese Differenz wieder reinholt. Wann machen sie trotzdem Sinn? Als werthaltiges Geschenk – Geburt, Hochzeit, Jubiläum – oder wenn Sie wirklich nur sehr wenig Geld zur Verfügung haben und trotzdem physisches Gold besitzen wollen.
Faustregel: Ab Zehntel-Unze oder 10 Gramm wird es Investment-tauglich.

Was ist die einfache Spotnähe-Regel – und warum gilt sie nicht immer?

Die Regel: Je schwerer die Einheit, desto näher am Spotpreis. Das funktioniert, weil sich die Herstellungskosten bei größeren Barren oder Münzen besser verteilen. Ein 100-Gramm-Barren hat prozentual ein niedrigeres Aufgeld als ein 10-Gramm-Barren, ein Kilo liegt noch näher am Spot.

Außerdem: Verfügbarkeit schlägt Theorie. Wenn eine bestimmte Münze oder ein bestimmter Barren gerade knapp ist, kann das Aufgeld steigen – unabhängig vom Gewicht. Münzen haben oft höhere Aufgelder als Barren desselben Gewichts, selbst wenn beide gleich schwer sind. Das liegt an Prägung, Qualitätskontrolle und dem höheren Handelswert von Münzen.
Faustregel: Die Regel gilt als Orientierung, aber rechnen Sie trotzdem jedes Angebot einzeln durch. Manchmal ist eine kleinere Einheit überraschend günstig, weil der Händler gerade Überbestand hat.

Wie lagere ich Münzen und Barren richtig?

Nicht anfassen, nicht zerkratzen, trocken lagern. Fingerabdrücke, Kratzer und Oxidation können den Wiederverkaufswert mindern – nicht weil das Gold weniger wert ist, sondern weil Händler beschädigte Münzen schlechter weiterverkaufen können.

Konkret:

  • Münzen in Kapseln lassen – viele werden bereits in Schutzkapseln geliefert. Wenn nicht, kaufen Sie passende Kapseln.
  • Barren mit Blister nicht öffnen – viele kommen versiegelt in Plastikverpackung. Öffnen Sie diese nicht, solange Sie das Gold nicht verkaufen wollen.
  • Trocken und dunkel lagern – ein Tresor, ein Schließfach oder eine trockene Schublade reicht.
  • Nicht mit bloßen Händen anfassen – wenn Sie Münzen ohne Kapsel lagern, tragen Sie Handschuhe oder fassen sie nur am Rand an.

Wann ist Filiale statt Online sinnvoll?

Wenn Sie einen bestimmten Jahrgang wollen, persönliche Unterstützung beim Kauf brauchen oder bar zahlen möchten. Online bekommen Sie, was gerade verfügbar ist. In der Filiale können Sie gezielt nach einem bestimmten Prägejahr fragen – etwa für ein Geschenk zum Geburtsjahr. Manche Einsteiger möchten das Gold physisch in der Hand haben, bevor sie kaufen. Das geht nur vor Ort. Wenn Sie unsicher sind, welche Stückelung oder welches Produkt passt, kann ein Gespräch helfen.
Faustregel: Wenn Sie wissen, was Sie wollen, kaufen Sie online. Wenn sie weitere Informationen persönlich einholen möchten oder spezielle Wünsche haben, lohnt sich der Gang in die Filiale.

Markus Wirth

Produktmanager Edelmetalle bei der Reisebank AG, ordnet regelmäßig die Geschehnisse am Goldmarkt ein und beantwortet Fragen zum Investment.

19. Februar 2026

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