Gold hat im letzten Jahr einen beeindruckenden Preisanstieg verzeichnet, der den Blick stärker auf diese Anlageklasse lenkt. Wir fragen uns: Geht das in diesem Jahr so weiter? Und was sind die Gründe, die den Preisanstieg bestimmt haben und inwieweit gelten diese weiterhin? Dazu haben wir unseren Edelmetall-Experten Rüdiger Schmitt befragt:
Einstieg und Überblick
1. Wenn Sie auf den Edelmetallmarkt des Jahres 2024 schauen, was fällt Ihnen zuerst ein?
Ich nehme da gerne die Perspektive der Investor*innen ein. Bei der Betrachtung des Goldmarktes im vergangenen Jahr gibt es eventuell zwei verschiedene Gefühle, die oben liegen: 1. Eine hohe Zufriedenheit bei all denen, die Gold vor 2024 erworben haben und sich über einen Wertzuwachs von rund 34 Prozent in Jahresfrist (und in Euro) freuen konnten. 2. Eventuell Frust bei all denen, die sich gesagt haben, nein, Gold im Portfolio ist überbewertet, denn es bringe keine Zinsen.
2. 2024 war das Jahr des Allzeithochs. Wie oft wurde das erreicht?
Wenn ich richtig gezählt habe, haben wir 2024 insgesamt 30 Mal ein neues Alltime-High verzeichnet, also ein neues Allzeithoch für den Goldkurs in Euro. Das zeigt, dass der Wertzuwachs in Sprüngen erfolgte, in denen der Kurs auf externe Faktoren reagierte. Nicht immer unbedingt auf die Nachfrage, sondern eher auf die Nachrichten.
3. Wovon wurde der Preis denn im Wesentlichen getrieben?
Der Preis ist immer eine aktuelle Momentaufnahme. Und die war natürlich stark von mehreren Faktoren getrieben. Ich möchte die für mich drei wichtigsten nennen:
Auf Platz 1 steht die Nachfrage der Währungshüter*innen. Die unverändert hohen Nettokäufe der Zentralbanken weltweit sind ein eindeutiger Preistreiber. 2024 wird in puncto Zentralbankennachfrage unter den Top 3 der letzten 15 Jahre liegen, das kann man schon jetzt vor der Veröffentlichung der finalen Zahlen annehmen.
Platz 2 der Nachfragetreiber ist das Thema Inflationsschutz. Die Menschen haben als Folge der hohen Inflationsraten verstanden, dass diese Funktion des Goldes nicht nur in der Langfristperspektive, sondern sogar mittel- und kurzfristig funktioniert. Wie bei einer self-fulfilling prophecy: Weil so viele davon ausgingen, dass es funktioniert, hat die Erwartung den Preis parallel nach oben getrieben und sogar weit darüber hinaus.
Die dritte nicht weniger wichtige Ursache für den Preisanstieg sind die geopolitischen Unwägbarkeiten. Die haben leider in den letzten zwölf Monaten nicht abgenommen, eher im Gegenteil. Die Menschen erleben, dass Bedrohungsszenarien sogar inmitten von Europa existieren und suchen eine Form der Absicherung, die es erlaubt, diesen Wertspeicher potenziell einfach mit sich führen zu können und gleichzeitig weltweit konvertibel zu sein. Allein das Gefühl, dass Letzteres möglich ist, gewährt ihnen ein Stück Sicherheit.


Markttrends und Prognosen
4. Glauben Sie, dass die geopolitischen oder wirtschaftlichen Unsicherheiten den Preis und die Nachfrage nach Edelmetallen weiter beeinflussen?
Wenn Sie sich die Gründe ansehen, die den Goldpreis in 2024 getrieben haben, dann stellen sie schnell fest: Sie sind unverändert vorhanden. Geopolitische Unwägbarkeiten bleiben uns wohl leider weiter erhalten. Die teils unvorhersehbare, nicht unbedingt stringente und zuweilen sprunghafte Politik des neuen US-Präsidenten ist nicht zwangsläufig das, was Märkte lieben. Krieg, lokale Konflikte, Wahlen mit ungewissem Ausgang und das Schwinden von stabilen Mehrheiten in bewährten Demokratien – alles das sorgt dafür, dass für Menschen auch an den Orten, an denen wir uns bislang fernab von Unwägbarkeiten glaubten, plötzlich Unsicherheit auftritt. Das soll jetzt keine Angstmache sein, die wir befeuern wollen, sondern einfach nur eine Beschreibung des Anlegerverhaltens. Gegen diese beschriebenen Sorgen sichert sich manche Marktteilnehmer*in gerne ab.
5. Und welche Rolle spielen hier die Zentralbanken?
Das Verhalten der Zentralbanken ist ein Vorbild für uns. Jedes Jahr befragt das World Gold Council, die große globale Lobby-Organisation der Goldbergbauindustrie die Zentralbanken weltweit: Habt ihr vor, Gold zu kaufen oder zu verkaufen und wenn ja, warum? Oder: Was macht ihr mit euren Dollarreserven? Hier ist eine klare Entwicklung absehbar. Zum einen liegen seit der Finanzkrise die Käufe deutlich höher als die Verkäufe. Aber dieser Trend hat sich nicht nur verstetigt, er hat eine neue Dynamik bekommen: In den vergangenen drei Jahren sind die Nettokäufe auf einem völlig neuen Niveau. Und die letzte Befragung von der Jahresmitte 2024 unter den Zentralbanken hat gezeigt: Die Rallye geht weiter. Noch nie haben so viele Zentralbanken erklärt, sie erwarten, dass in den nächsten Jahren die Bestände weiter aufgestockt werden. Die Logik dahinter ist klar: Sie wollen sich aus der Abhängigkeit vom US-Dollar lösen.
6. Wo sehen Sie den Goldpreis Ende 2025?
Diese Frage sollen Research-Expert*innen beantworten. Das Research-Team unseres Mutterkonzerns DZ BANK sieht das Potenzial für den Goldkurs zur Jahresmitte bei 2.900 und für Ende 2025 bei 3.100 US-Dollar. Die amerikanische Investmentbank Goldman-Sachs hat ihn bei 3.000 US-Dollar für Mitte 2026 taxiert. Wohlgemerkt alles in US-Dollar. Wir betrachten den Markt immer in Euro, denn unsere Kund*innen kaufen bei uns in Euro. Hier kommt also noch die Wechselkursthematik hinzu. Aber die Tendenz den genannten Prognosen ist klar: Sie teilen die Auffassung eines für den Goldkurs anhaltend positiven Umfeldes.
Strategien für Investoren
7. Welchen Anlegertypen würden Sie im Jahr 2025 den Einstieg in Edelmetalle empfehlen, und welche Strategien sind dabei besonders sinnvoll?
Wer neu einsteigt, sollte in diesem hochpreisigen Umfeld immer ratierlich kaufen, um den Cost-Average-Effekt zu nutzen. Also ein jährliches Investmentziel definieren und das dann zum Beispiel in vier gleich großen Raten zu einem festen Termin umsetzen. Was die Größe und Form der Stücke anbetrifft, gilt 2025 das, was auch in jedem Jahr davor galt: Kleine Stückelungen haben die größten Aufgelder und sind für Investor*innen nicht gut geeignet. Sie eignen sich zum Beispiel zum Verschenken, um grundsätzlich etwas langfristig Werterhaltendes weiterzugeben.
Was den Anlegertyp betrifft: Hier zählt für uns das Thema der richtigen Portfoliobeimischung. In der historischen Rückperspektive zeigt sich, dass Gold im Portfoliomix in der Regel als Risikopuffer agiert – immer in Relation zur Risikoaffinität. Kurz formuliert: Je höher also zum Beispiel der Aktienanteil, umso höher kann die Goldbeimischung sein. Hier empfehlen viele Expert*innen Werte von drei und bis zu maximal 15 Prozent. Das gilt angesichts des volatilen Marktumfeldes auch 2025 unverändert.
8. Welche Produkttrends sehen Sie 2025?
Der Goldmarkt ist ein Markt, der in der Regel sehr wenig Dynamik auf der Produktseite hat. Und die Nachfrage orientiert sich immer sehr stark am potenziellen „Verwendungszweck“. Haben wir Investor*innen, die möglichst kosteneffizient einen Wertspeicher suchen, dann werden sie immer in größtmöglichen Stücken anlegen, um Aufgeld zu sparen. Derzeit haben wir viele krisengetriebene Anleger*innen. Also Käuferschichten, die auch eine Alltagstauglichkeit eines konvertiblen Kaufspeichers suchen. Das zeigt sich dann darin, dass sie zum Beispiel Tafelgoldbarren oder Smart Boxes kaufen, also Produktvarianten, die Gold teilbar machen oder in Stückelungen anbieten und damit die Lücke im unteren Preisbereich schließen. Diesen Trend sehe ich auch im Jahr 2025.
Ein zweiter Trend stellen für mich neue Grammaturen oder auch die Verschiebung nach unten dar. Die Menschen investieren nach Betragshöhen, nicht nach Stücken. Die meisten sagen nicht: Ich möchte in 31,1 Gramm Gold investieren, sondern sie sagen, ich würde gerne 2.500, 5.000 oder 10.000 Euro investieren. Was bekomme ich dafür? Aufgrund der deutlichen Preissteigerungen steigt folglich die Nachfrage nach kleineren Stückelungen, da die Unze die Preisschwelle von 2.500 Euro längst gerissen hat. Hier punktet zum Beispiel der neue 25 Gramm-Recyclingbarren von C.Hafner, weil er noch deutlich unter 2.500 Euro liegt oder der 20 Gramm-Barren. Genauso wie der 50 Gramm-Barren noch unter einer psychologischen Grenze von 5.000 Euro liegt. Hier finden also Nachfrageverschiebungen statt.
Mein Tipp: Trennen Sie sich von den psychologischen Investmentgrenzen und schauen sie stattdessen auf durchschnittliche Aufgelder und kaufen Sie das Stück, bei dem Sie das meiste Gold für Ihr Geld bekommen und investieren Sie gegebenenfalls lieber ein paar Euro mehr, um die nächsthöhere Stufe mit dem günstigeren, prozentualen Aufgeld zu bekommen. Auch wichtig: Die Logik, dass größere Stücke zwangsläufig die geringsten Aufgelder haben, gilt je nach Marktlage nicht immer. Wer sparen möchte, sollte den Taschenrechner zur Hand nehmen, um den Grammpreis zu errechnen und zuweilen auch mal den Blick auf Vintagegold-Varianten werfen.
Nachhaltigkeit und Innovation
9. Wie wichtig ist im Jahr 2025 das Thema Nachhaltigkeit beim Abbau und Handel von Edelmetallen, und wie kann dies die Marktlandschaft verändern?
Ich persönlich finde das Thema extrem wichtig. Natürlich muss ich heutzutage jede Anlageklasse auch unter Nachhaltigkeitsaspekten betrachten. Und wir haben mit Recycling- und mit Vintagegold eine klare und einfache Antwort für alle diejenigen, die das interessiert. Indem wir bewusst gebrauchtes Gold oder Gold aus der Kreislaufwirtschaft als die nachhaltigere Variante anbieten. Gold ist ein endliches Produkt, dessen Wert genau genommen unabhängig davon ist, wie alt oder wie neu sein Verarbeitungszustand ist – ausgenommen natürlich echte numismatische Stücke. Ich bin deshalb im Bereich des Anlagegoldes ein überzeugter Anhänger der Aussage: Gold ist Gold. Das lerne ich jeden Tag auf der Ankaufsseite. Wenn wir Gold ankaufen, interessiert es uns nicht, ob der Bullion Coin neu ist oder zwanzig Jahre alt. Da Gold ein endliches Produkt ist, rückt der Aspekt der Kreislaufwirtschaft zwangsläufig in den Fokus. Dafür müssen Investor*innen und Interessent*innen aber verstehen, dass Gold nicht wie andere Produkte einen Wertunterschied auf der Basis von der Kategorie neu oder gebraucht hat. Wenn es bei uns Preisunterschiede im Angebot bei gleicher Gewichtsgröße gibt, sind diese allein durch Beschaffungskosten begründet – nicht vom Alter oder dem Aussehen. Hier unterscheidet sich dieses Produkt von anderen. Auf der Kaufseite mag dieser Eindruck noch vorherrschen, auch weil manche Wettbewerber das gerne suggerieren. Aber diese Unterschiede sind wie weggeblasen, wenn ich mein Gold verkaufe.
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar.


Rüdiger Schmitt ist Leiter Kommunikation und Pressesprecher der Reisebank AG.